Programm der Filmkammer für 22/23
September
Wolf Vostell, Dé-coll/age Video-Filme, 1963–1971 7 Videos, s/w, gesamt 49 Min.
1. Sun in your head, 1963
2. Starfighter, 1967
3. 20. Juli Aachen, 1967
4. Notstandsbordstein, 1969
5. Brotvermessung, 1969
6. Ruhender Verkehr, 1969
7. Vietnam, 1968-1971
Schenkung von Mercedes und Rafael Vostell / Wolf Vostell Estate
Oktober
Wolf Vostell, Desastres, 1972
Film-Happening
Video, Farbe, 45 Min.
Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate
November
Wolf Vostell, T.O.T., 1972
Film zum Environment
Video, s/w, 31:20 Min.
Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate
Dezember
Wolf Vostell, Epos Vostell, 1987, Vol. I
Filme zu 15 Aktionen, Environments und Installationen von 1968–1987 in Europa und USA Video, Farbe, s/w (4 DVDs), Vol. I:
1. E.D.H.R. [Elektronischer dé-coll/age Happening Raum], 1968, 5 Min. 2. Berlin Fieber, 1973. A film by Ulrike Ottinger ©, 1:50 Min.
3. Auto Fieber, 1973, 8:10 Min.
4. Fandango, 1973, 20 Min.
5. VOAEX. Reise in die hohe Extremadura in Beton, 1976, 3:35 Min.
6. Regen, 1976, 8:25 Min.
7. Familienessen, 1970er Jahre, 6:30 Min.
8. Endogene Depression, 1980. A film by David Vostell, 7:30 Min.
Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate
Januar
Wolf Vostell, Epos Vostell, 1987, Vol. II Video, Farbe, s/w, Vol. II:
9. Fluxus Zug, 1981, 8:30 Min.
10. Die Winde, 1981, 11 Min.
11. Das Begräbnis der Sardine, 1985, 19:45 Min.
Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate
Februar
Wolf Vostell, Epos Vostell, 1987, Vol. III Video, Farbe, s/w, Vol. III:
12. Fluxus Konzert Madrid, 1986, 81:15 Min.
Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate
März
Wolf Vostell, Epos Vostell, 1987, Vol. IV
Video, Farbe, s/w, Vol. IV:
13. Die Billard Mädchen, 1986, 5 Min.
14. Zwei Beton Cadillacs in Form der nackten Maja, 1987, 6:30 Min. 15. Mythos Berlin Bild, 1987, 13:50 Min.
16. Die Schildkröte, 1987, 5:55 Min.
Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate
April
Wolf Vostell, Das Frühstück des Leonardo da Vinci in Berlin, 1988
Film zum dé-coll/age Fluxus Happening, Video, Farbe, 75 Min.
Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate
Mai
Wolf Vostell, Le Cri, 1990
Film zum Fluxus Konzert für 90 Musiker, Video, Farbe, 60 Min.
Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate
Saalzettel über Desastres de la Guerra Vietnam-Symphonie und Maja
Das Objektbild Desastres de la Guerra Vietnam-Symphonie bezieht sich auf das für den Kölner Hauptbahnhof und die Frankfurter U-Bahn-Station Hauptwache konzipierte 72-Stunden-Happening Vietnam Symphonie, mit dem Vostell die Fahrgäste zu Handlungen einladen wollte, die den Alltag mit dem Kriegsgeschehen in Vietnam konfrontieren sollten. Das erste Happening-Konzept von 1966 sah für die Mitwirkenden auch bei ihnen zu Hause durchzuführende Handlungen vor (»… stecken sie stündlich mit den nadeln die worte weihnachten auf die worte vietnam oder vietcong …«; vgl. Katalog Die Happenings, S. 265–271).
Indem Vostell mit Desastres (de la Guerra) den Titel einer Radierfolge Francisco de Goyas aufgreift und für sein Objektbild Maja Goyas Gemälde Die Erschießung der Aufständischen (1814) zitiert, verbindet er die Gräuel des damaligen Krieges der Spanier gegen die napoleonischen Besatzer mit den grausamen Bildern aus Vietnam und dem durch Krieg und Gewaltherrschaft sowie durch Geschichtsklitterung und -vergessenheit herbeigeführten gesellschaftlichen Ausnahmezustand im geteilten Deutschland.
Das Motiv der einbetonierten Körperteile einer Frau verweist auf das Happening und den Film Desastres, für die Vostell nicht nur einen ausrangierten Eisenbahnwagon außen mit einer Betonmanschette arretierte, sondern auch im Zugabteil eine nackte Frau, während im Film konstant ein Herzschlag zu hören ist, zeitweilig übertönt von Frequenzstörungen und Börsengeschrei. Vostell übersetzte sein eindringliches Plädoyer gegen den Krieg in eine neue Form des Realismus in der Kunst.
Saalzettel über Sun in your head
In unserer Filmkammer werden sukzessive große Teile des filmischen Werks von Vostell präsentiert. Dabei handelt es sich überwiegend um Filme zu Vostells Aktionen, Environments und Installationen, die auch dokumentarische Anteile haben.
Vostells erster Film Sun in Your Head (1963) bezieht das Prinzip der Dé-coll/age auf die Form der Montage. Er gilt als erste künst- lerische Arbeit überhaupt, die aufgezeichnete Bewegtbilder aus dem Fernsehen verwendet. Die Aufnahmen weisen gezielte elektroma- gnetische Störungen auf und sind mit einem Alarmton unterlegt. Auch wenn Vostell zunächst mit 16mm-Film gedreht und das Material erst 1967 zu einer Videofassung zusammengefügt hat, entwickelt er hier bereits eine Videoästhetik ›avant la lettre‹.

